Am 15. April 2026 wurde in Teltow der Straßenbautag 2.0 durchgeführt. Rund 50 Fachleute aus Planung, Bauausführung, Verwaltung und Industrie kamen zusammen, um aktuelle Entwicklungen im Straßenbau zu diskutieren und neue Impulse für die Praxis mitzunehmen.
Die Veranstaltung knüpfte an den Straßenbautag im November 2025 an, der auf dem Gelände der Firma Fräsdienst E. Feind durchgeführt wurde. Die große Resonanz auf das damalige Seminar und die hohe Nachfrage machten deutlich, wie relevant praxisnahe und zugleich innovative Ansätze im Straßenbau sind. Während 2025 insbesondere durch praktische Vorführung des Pflaster-Schleifens geprägt war, lag der Fokus nun stärker auf der fachlichen Vertiefung und der Einordnung neuer Technologien und Methoden.
Nach der Begrüßung der Teilnehmenden und Referierenden sowie der Einführung in den Seminartag durch Daniel Scholz, Vorstandsmitglied der Bezirksgruppe Cottbus, wurde schnell deutlich, dass der Straßenbautag 2.0 bewusst den Blick über klassische Bauweisen hinaus richten wollte – hin zu nachhaltigen Materialien, neuen Nutzungskonzepten und einer ganzheitlichen Betrachtung von Infrastruktur.
Die Polymer-Chance – CO₂-reduzierte Straßenbeläge im Regelwerk
Den Auftakt der Fachvorträge bildete Jonas Varga (ecoPals GmbH). Im Mittelpunkt stand die praktische Umsetzung CO₂-reduzierter Straßenbeläge im bestehenden Regelwerk. Vorgestellt wurde der Einsatz recycelter Polymere zur Modifikation von Asphaltmischungen.
Anhand konkreter Projekte wurde gezeigt, dass sich durch den Einsatz von Sekundärrohstoffen, optimierte Produktionsprozesse und reduzierte Bitumenanteile sowohl ökologische Vorteile als auch eine hohe technische Leistungsfähigkeit erzielen lassen. Der Beitrag verdeutlichte, dass innovative Materialien zunehmend den Weg in die Praxis finden und regelwerkskonform eingesetzt werden können.
Power Road® – wenn Verkehrsflächen zu Energiequellen werden
Einen Perspektivwechsel brachte der Vortrag von Emilie Lebel (VINCI Construction Shared Services). Mit dem Konzept „Power Road®“ wurde ein Ansatz vorgestellt, bei dem Straßenflächen nicht nur als Verkehrsraum dienen, sondern zugleich als Energiequelle genutzt werden.
In die Fahrbahn integrierte Systeme ermöglichen es, solare Wärme aufzunehmen, zu speichern und für die Beheizung von Gebäuden oder Infrastrukturen bereitzustellen. Darüber hinaus können solche Systeme zur Reduzierung von Hitzeinseln in urbanen Räumen beitragen und im Winter die Verkehrssicherheit durch Unterstützung bei der Eis- und Schneeräumung erhöhen. Der Vortrag zeigte eindrucksvoll, welches Potenzial in der Mehrfachnutzung von Verkehrsflächen liegt.
Schleifen von Natursteinpflaster – Bestand erhalten und funktional verbessern
Im dritten Themenblock stand die Weiterentwicklung bestehender Infrastruktur im Fokus. Eric Feind (Fräsdienst-Service E. Feind GmbH) zeigte auf, wie historische Natursteinpflasterflächen durch Schleifen an die Anforderungen moderner Verkehrsflächen angepasst werden können.
Das Verfahren ermöglicht eine deutliche Verbesserung von Ebenheit, Fahrkomfort und Verkehrssicherheit, ohne den charakteristischen Straßenraum zu verändern. Weitere Vorteile liegen in kurzen Bauzeiten, der Wiederverwendung des vorhandenen Materials sowie der Reduzierung von Lärm und Barrieren im Verkehrsraum. Auch der Einsatz digitaler Vermessung als Grundlage für eine präzise Planung wurde als wichtiger Baustein hervorgehoben.
Ergänzend stellte Daniel Scholz (PEBA Prüfinstitut für Baustoffe GmbH) die prüftechnische Begleitung vor. Messungen zur Ebenheit und Griffigkeit zeigten, dass sich die Oberflächeneigenschaften durch das Schleifen signifikant verbessern lassen. Der Beitrag machte deutlich, wie wichtig eine fundierte messtechnische Bewertung für die Akzeptanz und Weiterentwicklung solcher Verfahren ist.
Die Teilnehmenden regten mit unterschiedlichen Fragen einen effektiven fachlichen Austausch an. 
Lebenszyklusanalysen – Nachhaltigkeit ganzheitlich denken
Den Abschluss bildete der Vortrag von Prof. Dr. rer. nat. Jörg Sebastian (SBKS GmbH, Hochschule Kaiserslautern), der die Bedeutung von Lebenszyklusanalysen (LCA) für den Straßenbau in den Mittelpunkt stellte.
Anhand dieses Ansatzes werden Umweltwirkungen über den gesamten Lebenszyklus eines Bauwerks hinweg betrachtet – von der Herstellung über Bau und Nutzung bis hin zu Erhaltung und Rückbau. In Kombination mit der Lebenszykluskostenrechnung (LCC) ermöglicht dies eine fundierte Entscheidungsgrundlage, bei der ökologische und wirtschaftliche Aspekte gemeinsam bewertet werden.
Der Vortrag verdeutlichte, dass nachhaltiger Straßenbau zunehmend eine systematische, datenbasierte Betrachtung erfordert und Lebenszyklusanalysen dabei eine zentrale Rolle spielen werden.
Darüber hinaus überzeugte Herr Sebastian durch seine zugleich souveräne, lockere und äußerst mitreißende Vortragsweise.
Fazit: Impulse für die Praxis und den Blick nach vorn
Der Straßenbautag 2.0 zeigte eindrucksvoll, wie vielfältig und dynamisch sich der Straßenbau derzeit entwickelt. Die vier Fachvorträge spannten den Bogen von innovativen Materialien über neue Nutzungskonzepte bis hin zur Weiterentwicklung des Bestands und zur ganzheitlichen Bewertung von Nachhaltigkeit.
Für die Teilnehmenden bot die Veranstaltung zahlreiche fachliche Impulse und konkrete Anknüpfungspunkte für die eigene Praxis. Gleichzeitig wurde deutlich, wie wichtig der Austausch zwischen Planung, Ausführung, Verwaltung und Forschung ist, um zukunftsfähige Lösungen im Infrastrukturbau zu entwickeln.
Ein besonderer Dank gilt dem Gastgeber des Konstruva Campus für die Bereitstellung der Räumlichkeiten sowie die professionelle Organisation und Durchführung unserer Fortbildung in einer durchweg angenehmen und inspirierenden Atmosphäre.
