Bei bestem Sommerwetter trafen sich am 15. Juli 2026 insgesamt 20 Ü65-Mitglieder der VSVI Berlin-Brandenburg zu einem weiteren fachhistorischen Spaziergang im Park Sanssouci. Nachdem in den vergangenen Jahren bereits verschiedene Bereiche der historischen Parkanlage erkundet wurden, führte Gartenhistoriker Dr. Jörg Wacker von der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (SPSG) die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in diesem Jahr über den Ruinenberg. Im Mittelpunkt standen die Entwicklung und Regeneration der Gehölzbestände dieser außergewöhnlichen Parklandschaft.
Der rund zweieinhalbstündige Rundgang bot erneut eine Fülle spannender Informationen. Dr. Wacker verstand es einmal mehr, Geschichte, Gartenkunst und aktuelle Herausforderungen der Denkmalpflege anschaulich und kurzweilig miteinander zu verbinden. Seine ausführlichen Erläuterungen begeisterten die Teilnehmenden und machten deutlich, wie eng Landschaftsgestaltung, Natur und Infrastruktur miteinander verknüpft sind.
Besonders interessant war dabei auch der Bezug zum Straßenbau. Dr. Wacker erläuterte, dass Ende des 18. Jahrhunderts in Preußen der Chausseebau begann. Die Nauener Chaussee führte entlang des Bornstedter Sees und gilt als eine der frühen befestigten Fernstraßen. Dort entstand zugleich die erste Baumallee der preußischen Chausseen – ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie Verkehrsinfrastruktur und Landschaftsgestaltung bereits vor mehr als 200 Jahren gemeinsam gedacht wurden.
Ebenso spannend waren die Ausführungen zur Entwicklung des Ruinenbergs. Gartenkünstler Peter Joseph Lenné verband zwischen 1841 und 1845 den Ruinenberg mit dem Park Sanssouci durch geschwungene Wege und landschaftliche Pflanzungen. Rund um die bereits 1747/48 für Friedrich den Großen errichteten künstlichen Ruinen ergänzte er den vorhandenen Baumbestand gezielt mit Kiefern, Buchen und Bergahorn und schuf so eindrucksvolle Blickachsen und landschaftliche Kontraste. Seit der Wiederherstellung des historischen Wegenetzes und der Sichtbeziehungen im Jahr 1995 wird der Gehölzbestand kontinuierlich von der SPSG gepflegt.
Ein Schwerpunkt der Führung lag auf den Folgen des Klimawandels. Dr. Wacker schilderte eindrucksvoll, welche Auswirkungen insbesondere die extremen Dürrejahre von 2018 bis 2020 auf den Baumbestand des Ruinenbergs hatten. Vor allem Buchen und Eichen litten unter der Trockenheit und zusätzlichen Schaderregern, sodass zahlreiche Altbäume abstarben. Gleichzeitig wurde deutlich, dass einige Arten wie Spitzahorn, Efeu und Brombeeren mit den veränderten Bedingungen deutlich besser zurechtkommen und inzwischen zu den „Gewinnern“ des Klimawandels zählen.
Um den historischen Gehölzbestand langfristig zu erhalten, erprobt die Stiftung seit 2020 auf mehreren eingezäunten Versuchsflächen verschiedene Maßnahmen zur Stabilisierung und Regeneration. So bleibt Totholz bewusst als Humuslieferant im Bestand, natürlicher Aufwuchs von Spitzahorn und Waldbuchen schützt junge Eichen vor starker Sonneneinstrahlung und heimisches Eichensaatgut wird ohne zusätzliche Bewässerung ausgebracht. Ziel ist es, widerstandsfähige Gehölzbestände für kommende Generationen zu entwickeln.
Großes Interesse weckten auch die Erläuterungen zur historischen Baumschule. Bereits vor rund 200 Jahren gründete Peter Joseph Lenné in der Nähe des Neuen Palais eine Baumschule. An diese Idee knüpft die Stiftung heute wieder an und richtet erneut eine Baumschule ein, um Bäume und Sträucher heranzuziehen, die von Beginn an an die örtlichen Boden- und Klimabedingungen angepasst sind. Langjährige Forschungen zeigen, dass Gehölze besonders gut gedeihen, wenn sie dort aufwachsen, wo sie ihr gesamtes Leben stehen werden. Sie kommen dadurch von Anfang an mit den örtlichen Bodenverhältnissen sowie einem geringeren Wasserangebot zurecht und entwickeln sich langfristig robuster.
Zum Abschluss blickte Dr. Wacker auf die Geschichte des Ruinenbergs selbst zurück. Bevor die von Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff gestaltete Anlage entstand, trug das Gelände den Namen „Hühnerberg“. Dort wurden über viele Jahre Tausende Rebhühner gezüchtet, ehe der Hügel zu einem markanten Bestandteil der Potsdamer Kulturlandschaft umgestaltet wurde.
Der informative Nachmittag zeigte einmal mehr, wie spannend sich Gartenkunst, Kulturgeschichte, Natur und Infrastruktur miteinander verbinden lassen. Die Ü65-Mitglieder der VSVI Berlin-Brandenburg bedankten sich bei Dr. Jörg Wacker mit großem Applaus für eine erneut äußerst kenntnisreiche, lebendige und abwechslungsreiche Führung, die viele neue Perspektiven auf den Park Sanssouci und den Ruinenberg eröffnete.
